Die Geschichte der „Operation Gold” ist in Film und Literatur bekannt (z. B. durch den Kinofilm „…und der Himmel steht still” von 1993), aber nur beinahe und diese Lücke schließt nun das im März 2026 erschienene Buch. Tatsächlich fehlt bislang ein bedeutendes Puzzleteil, das in den Archiven der Berliner Unterwelten e.V. schlummerte. Es handelt sich um die umfassende Dokumentation, die allein für den DDR-Minister des Innern, Karl Maron, angefertigt worden war. Sie galt allgemein als verschollen. Tatsächlich enthält sie bislang unbekannte Fotos und Details zum Auffinden dieses Tunnels und dessen Arbeitsweise. Ein Fundstück.
Eingeführt und erläutert wird es im Buch von Dietmar Arnold, geboren 1964 in Berlin, der wie kein Anderer die Unterwelt von Berlin kennt, und Prof. Dr. Helmut Müller-Enbergs, geboren 1960 in Haltern am See, der sich mit Berlins Spionen befasst, mal für die Spionageabwehr, mal als Wissenschaftler der FU Berlin. Die Publikation zeigt zudem auf, wie nach der Entdeckung und dem Fall der Mauer mit den Überresten des Abhörstollens umgegangen wurde. So sind 1995 auf Rudower Gebiet über 100 Meter des Tunnels achtlos entsorgt worden, als das nach Abriss der US-Radarstation 1986 freigewordene Pachtgelände der Bauernfamilie Massante nach deren Weiter-veräußerung mit Einfamilienhäusern bebaut wurde. Allerdings fanden sich 1997 bei Grabungen und 2005 nochmals in Vorbereitung des Autobahnbaus der A113 zwei letzte verbliebene Teilstücke im ehemaligen Grenzstreifen. Sieben Meter davon sind im Alliierten Museum in Berlin-Dahlem zu besichtigen.
Zudem gibt es ein kleines Fragment der Tunnelröhre mitsamt Kabeln im Altglienicke Museum. (im Bürgerhaus Altglienicke, Ortolfstraße 182)
Das Buch „Operation Gold” erzählt die wahre Geschichte von technischem Genie, politischer Hybris und dem bitteren Geschmack des Verrats. Ein packendes Stück Zeitgeschichte über einen Tunnel, der zum Symbol für die Absurdität und die Gefahr des atomaren Zeitalters wurde. Das Werk von Dietmar Arnold und Helmut Müller-Enbergs ist zum Preis von 24 Euro erschienen in der Edition Berliner Unterwelten im BeBra Verlag (ISBN 978-3-8148-0348-7) und umfasst 224 Seiten mit 181 Abbildungen. Es ist in deutscher und englischer Sprache verfasst.
Einen Vortrag mit den beiden Autoren findet am Dienstag, den 7.7.2026, ab 18:30 Uhr in der Stadtteilbibliothek Altglienicke im Bürgerhaus in der Ortolfstr. 182 statt.
Im Anschluss kann im Altglienicke Museum darüber eine kleine Ausstellung zum Spionagetunnel mit einem Originalstück angeschaut werden.
Sie sind herzlich zu der Gemeinschaftsveranstaltung von Stadtteilbibliothek und Bürgerverein Altglienicke e.V. eingeladen!


Vor 70 Jahren sorgte an der Grenze zwischen Rudow und Altglienicke eine der spektakulärsten Spionageaktionen des Kalten Krieges für weltweite Presseschlagzeilen. Die amerikanische CIA und der britische Secret Intelligence Service (MI 6) hatten im August 1954 mit der Ausführung einer Geheimdienstoperation unter dem Namen „Operation Gold” begonnen. Auf einem im US-amerikanischen Sektor Berlins gelegenen Grundstück am Rande des Ortsteils Rudow, unweit des Dankmarsteigs, wurden eine Radarstation und ein Depotgebäude der US Air Force errichtet, die letztlich Tarnung für etwas anderes waren. Darunter begann man binnen eines halben Jahres einen überwiegend 2,80 Meter unter der Erdoberfläche gelegenen Tunnel von 1,90 Meter Höhe zu graben, der nach 120 Metern die Grenze zum Berliner Sowjetsektor unterquerte und nach weiteren 330 Metern unterhalb der Schönefelder Chaussee im Ortsteil Altglienicke an kam. Das Ziel des britisch-amerikanischen Vorhabens waren die dort unter der Straße befindlichen Telefonleitungen des sowjetischen Oberkommandos, die vom Zentrum Berlins zum Hauptquartier der Sowjetstreitkräfte in Wünsdorf führten. Die westlichen Nachrichtendienste hörten in der Folge ab Mai 1955 wichtige Telefongespräche der sowjetischen Militärs ab. In der Summe über 400.000 Telefonate. Diese wurden auf 50.000 Tonbändern festgehalten. Mit der Auswertung der Telefongespräche waren zeitweise bis zu 317 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt 6,7 Millionen US-Dollar ließ man sich die „Operation Gold” kosten.

In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1956, elf Monate nach Inbetriebnahme des Tunnels, beendete der sowjetische KGB jäh das Spionageunternehmen. In den Tagen zuvor war es durch starke Regenfälle zu Störungen an verschiedenen Telefonleitungen in Berlin gekommen. Dieser Zeitpunkt wurde von der sowjetischen Seite bewusst gewählt, denn sie wusste von Beginn an über den Spionagetunnel Bescheid. Bei den Planungen für die „Operation Gold” saß für den britischen MI 6 der Mitarbeiter George Blake mit am Tisch, der als Doppelagent auch für den KGB arbeitete und diesen umfassend informierte. Um ihn nicht auffliegen zu lassen, ließen die Sowjets den Tunnelbau gewähren und tarnten dessen Entdeckung so, dass angebliche Mitarbeiter der Deutschen Post der DDR aufgrund einer Telefonstörung in die Schönefelder Chaussee kamen und dort kaum einen Meter unter der Straße zufällig den Tunnel entdeckten. Der Spionagetunnel wurde unmittelbar nach seiner Entdeckung von den DDR-Behörden als „Bruch der Normen internationalen Rechts” und „verbrecherischer Akt” der Presse präsentiert. Die Fotos aus dem Tunnel unter der innerdeutschen Grenze gingen anschließend durch die Weltpresse.
Im Anschluss wurde das Tunnelende zu Besichtigungszwecken hergerichtet. Bis zum 10. Juni 1956 nutzten 40.000 Interessierte, darunter ganze Schulklassen, das Angebot in Altglienicke und gaben damit, wie die DDR Medien berichteten, „ihrer Empörung über das verbrecherische Treiben der Amerikaner Ausdruck”. Anschließend begann man auf Ost-Berliner Seite den Tunnel weit gehend auszugraben.
(Text von Joachim Schmidt, Bürgerverein Altglienicke e.V. , Bild von Dietmar Arnold, andere Fotos Quelle Bundesarchiv)
Am 16. April 2026 fand im Kiezladen WaMa die Kiezkassenversammlung für die Region Altglienicke statt. Insgesamt waren 10.200 Euro für Projekte zu vergeben. Eingereicht wurden wieder Anträge, die diese Summe um etwa die Hälfte überschritten. Neu war bei der Kiezkasse ein durchgehend digitales Verfahren von der Einreichung über die Anwesenheitsliste bis hin zur Abstimmung. Am Ende konnte fast allen Projekten Geld gewährt werden, aber zumeist mit einer reduzierten Summe. 2.300 Euro gingen an den Kulturverein Altglienicke e.V. für den Weihnachtsmarkt zum Mitsingen am 28.11. im Kosmosviertel. 2.000 Euro bekam der Bürgerverein Altglienicke e.V. für eine Neuauflage des Altglienicker Spätsommerfests im September. Über 1.250 Euro darf die VSG Altglienicke für ihre 80-Jahr-Feier am 04.07. verfügen. 1.036 Euro wurden dem Projekt einer Demonstration gegen Rechts, für Vielfalt, Demokratie und solidarisches Miteinander unter dem Titel „Reclaim your Kiez” gewährt.
900 Euro erhielt das Projekt Legostadt. Kinder im Alter zwischen etwa 8 und 12 Jahren werden dabei eingeladen, sich im Oktober an zwei bis drei Tagen am Bau einer bis zu 18 Meter langen Stadt aus LEGO zu beteiligen. 750 Euro ist der Zuschuss für das ToM-Sommerfest am 21.08. in den Degewo-Bauten an der Wegedornstraße. 700 Euro gab es für einen transportablen Technik Tisch und eine transportable Getränke-Ausgabe im großen Saal des Bürgerhauses, da im Zuge des Umbaus die alte Technik und der Tresen ersatzlos weggefallen sind. 650 Euro sind der Verfügungsrahmen für Lesungen und Gespräche im Seniorenpflegeheim „Spreetalhof”. 400 Euro wurde für den Keramikzirkel im Bürgerhaus entschieden. Für den Jahreskalender 2027 der Grundschule am Mohnweg können 314 Euro ausgegeben werden. Die Summen sind alle unter dem Vorbehalt einer „Aussicht auf Förderung”, da die beschlossenen Anträge noch beim Bezirksamt in der Prüfung und nicht endgültig beschieden sind.
(Text vom Dörferblick von Joachim Schmidt)
